Luther (1545)
Klagelieder 3
1Ich bin ein elender Mann, der die Rute seines Grimmes sehen muß. Share to feedTweet 2Er hat mich geführet und lassen gehen in die Finsternis und nicht ins Licht. Share to feedTweet 3Er hat seine Hand gewendet wider mich und handelt gar anders mit mir für und für. Share to feedTweet 4Er hat mein Fleisch und Haut alt gemacht und mein Gebein zerschlagen. Share to feedTweet 5Er hat mich verbauet und mich mit Galle und Mühe umgeben. Share to feedTweet 6Er hat mich in Finsternis gelegt, wie die Toten in der Welt. Share to feedTweet 7Er hat mich vermauert, daß ich nicht heraus kann, und mich in harte Fesseln gelegt. Share to feedTweet 8Und wenn ich gleich schreie und rufe, so stopft er die Ohren zu vor meinem Gebet. Share to feedTweet 9Er hat meinen Weg vermauert mit Werkstücken und meinen Steig umgekehret. Share to feedTweet 10Er hat auf mich gelauert wie ein Bär, wie ein Löwe im Verborgenen. Share to feedTweet 11Er läßt mich des Weges fehlen. Er hat mich zerstücket und zunichte gemacht. Share to feedTweet 12Er hat seinen Bogen gespannet und mich dem Pfeil zum Ziel gesteckt. Share to feedTweet 13Er hat aus dem Köcher in meine Nieren schießen lassen. Share to feedTweet 14Ich bin ein Spott allem meinem Volk und täglich ihr Liedlein. Share to feedTweet 15Er hat mich mit Bitterkeit gesättiget und mit Wermut getränket. Share to feedTweet 16Er hat meine Zähne zu kleinen Stücken zerschlagen. Er wälzet mich in der Asche. Share to feedTweet 17Meine Seele ist aus dem Frieden vertrieben; ich muß des Guten vergessen. Share to feedTweet 18Ich sprach: Mein Vermögen ist dahin und meine Hoffnung am HErrn. Share to feedTweet 19Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen, mit Wermut und Galle getränket bin. Share to feedTweet 20Du wirst ja daran gedenken, denn meine Seele sagt mir's. Share to feedTweet 21Das nehme ich zu Herzen, darum hoffe ich noch. Share to feedTweet 22Die Gute des HErrn ist, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, Share to feedTweet 23sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Share to feedTweet 24Der HErr ist mein Teil, spricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Share to feedTweet 25Denn der HErr ist freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fraget. Share to feedTweet 26Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HErrn hoffen. Share to feedTweet 27Es ist ein köstlich Ding einem Manne, daß er das Joch in seiner Jugend trage, Share to feedTweet 28daß ein Verlassener geduldig sei, wenn ihn etwas überfällt, Share to feedTweet 29und seinen Mund in den Staub stecke und der Hoffnung erwarte Share to feedTweet 30und lasse sich auf die Backen schlagen und ihm viel Schmach anlegen. Share to feedTweet 31Denn der HErr verstößt nicht ewiglich, Share to feedTweet 32sondern er betrübet wohl und erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte; Share to feedTweet 33denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet, Share to feedTweet 34als wollte er alle die Gefangenen auf Erden gar unter seine Füße zertreten Share to feedTweet 35und eines Mannes Recht vor dem Allerhöchsten beugen lassen Share to feedTweet 36und eines Menschen Sache verkehren lassen, gleich als sähe es der HErr nicht. Share to feedTweet 37Wer darf denn sagen, daß solches geschehe ohne des HErrn Befehl, Share to feedTweet 38und daß weder Böses noch Gutes komme aus dem Munde des Allerhöchsten? Share to feedTweet 39Wie murren denn die Leute im Leben also? Ein jeglicher murre wider seine Sünde! Share to feedTweet 40Und laßt uns forschen und suchen unser Wesen und uns zum HErrn bekehren. Share to feedTweet 41Laßt uns unser Herz samt den Händen aufheben zu GOtt im Himmel. Share to feedTweet 42Wir, wir haben gesündiget und sind ungehorsam gewesen. Darum hast du billig nicht verschonet, Share to feedTweet 43sondern du hast uns mit Zorn überschüttet und verfolget und ohne Barmherzigkeit erwürget. Share to feedTweet 44Du hast dich mit einer Wolke verdeckt, daß kein Gebet hindurch konnte. Share to feedTweet 45Du hast uns zu Kot und Unflat gemacht unter den Völkern. Share to feedTweet 46Alle unsere Feinde sperren ihr Maul auf wider uns. Share to feedTweet 47Wir werden gedrückt und geplagt mit Schrecken und Angst. Share to feedTweet 48Meine Augen rinnen mit Wasserbächen über dem Jammer der Tochter meines Volks. Share to feedTweet 49Meine Augen fließen und können nicht ablassen; denn es ist kein Aufhören da, Share to feedTweet 50bis der HErr vom Himmel herabschaue und sehe darein. Share to feedTweet 51Mein Auge frißt mir das Leben weg um die Tochter meiner Stadt. Share to feedTweet 52Meine Feinde haben mich gehetzet, wie einen Vogel, ohne Ursache. Share to feedTweet 53Sie haben mein Leben in einer Grube umgebracht und Steine auf mich geworfen. Share to feedTweet 54Sie haben auch mein Haupt mit Wasser überschüttet. Da sprach ich: Nun bin ich gar dahin. Share to feedTweet 55Ich rief aber deinen Namen an, HErr, unten aus der Grube; Share to feedTweet 56und du erhöretest meine Stimme. Verbirg deine Ohren nicht vor meinem Seufzen und Schreien! Share to feedTweet 57Nahe dich zu mir, wenn ich dich anrufe, und sprich: Fürchte dich nicht! Share to feedTweet 58Führe du, HErr, die Sache meiner Seele und erlöse mein Leben! Share to feedTweet 59HErr, schaue, wie mir so unrecht geschieht, und hilf mir zu meinem Recht! Share to feedTweet 60Du siehest alle ihre Rache und alle ihre Gedanken wider mich. Share to feedTweet 61HErr, du hörest ihre Schmach und alle ihre Gedanken über mich, Share to feedTweet 62die Lippen meiner Widerwärtigen und ihr Dichten wider mich täglich. Share to feedTweet 63Schaue doch; sie gehen nieder oder stehen auf, so singen sie von mir Liedlein. Share to feedTweet 64Vergilt ihnen, HErr, wie sie verdienet haben! Share to feedTweet 65Laß ihnen das Herz erschrecken und deinen Fluch fühlen! Share to feedTweet 66Verfolge sie mit Grimm und vertilge sie unter dem Himmel des HErrn! Share to feedTweet